Ein Bekenntnis zu Tiefe, Sprache und innerer Resonanz

🌸 Mein Hypno-Novel-Manifest

Einleitung

Es gibt kaum einen Begriff, der so oft benutzt und so selten verstanden wird wie Heilung.

Heute muss sie vor allem effizient sein – in sechs Sitzungen, fünf Schritten oder drei Tools.

Sie soll am besten sofort wirken: sieben Minuten täglich Achtsamkeit, dreimal tief durchatmen – und schon soll Ruhe einkehren.

Therapie wird vermarktet wie ein Fitnessprogramm, Selbsthilfe klingt wie ein Produktversprechen.

Wir optimieren unser Nervensystem, tracken unsere Gefühle, rationalisieren unsere Krisen –

bis kaum noch Raum bleibt für das, was Therapie im eigentlichen Sinne einmal bedeutete.

Das Wort Therapie stammt vom altgriechischen θεραπεία (therapeía),

abgeleitet vom Verb θεραπεύειν (therapeúein) –

es bedeutete:

dienen, pflegen, sorgen für,

achtsam begleiten,

ehren, kultisch verehren.

Therapeía war also nie bloß eine Behandlung.

Es war ein Dienst – ein hingebungsvoller Umgang mit dem Lebendigen, mit dem Menschen und mit dem Göttlichen.

In der Antike hieß Therapie: dem Körper zugewandt sein, ohne ihn zu zwingen (Hippokrates).

Sie hieß: das Denken als Pflege der Seele zu verstehen (Platon).

Und sie hieß: einem Menschen beizustehen, nicht ihn zu „optimieren“.

Wenn ein Arzt, Therapeut oder Coach damals gesprochen hätte,

hätte er nicht gesagt: „Ich biete Ihnen die XY-Therapie an, dann sind Sie geheilt.“

Er hätte gefragt: „Wie kann ich Ihnen dienen?“

Heute hat der Begriff seine Gestalt verloren.

Therapie wurde technisiert, funktionalisiert, vermessen.

Sie meint nun: standardisierte Verfahren, evidenzbasierte Schritte, messbare Interventionen.

Und so hat sich die ursprüngliche Bedeutung von Begleiten, Dienen, Ehren verschoben zu Behandeln, Eingreifen, Optimieren.

Menschen berichten von ihren Leiden und Problemen, ohne gehört zu werden.

Sie werden analysiert, ohne zu fühlen.

Sie verstehen, ohne sich zu verwandeln.

Sie werden behandelt, ohne geheilt zu werden.

Sie werden optimiert, ohne gesehen zu sein.

Sie werden beruhigt, ohne wirklich verstanden zu werden.

Doch das, was heilt, ist selten messbar – aber immer spürbar.

Ein Moment der Resonanz.

Ein Buch, das etwas in uns aufrührt.

Ein Wort, das den Körper erinnert, dass er mehr ist als ein System aus Symptomen.

Die innere Spaltung

Wir leben in einem Ungleichgewicht.

Unsere linke Gehirnhälfte – die Heimat der Logik, der Zahlen, der Analyse – hat die Führung übernommen,

während die rechte, der Sitz der Intuition, der Emotion, der inneren Bilder ist, langsam verkümmert.

Wir verstehen die Welt, aber wir fühlen sie nicht mehr.

Wir analysieren, was uns bewegt, statt uns bewegen zu lassen.

Wir glauben, wir könnten das Leben denken – und wundern uns, dass wir uns dabei verlieren.

Wir funktionieren präziser als je zuvor und sind zugleich leerer als je zuvor.

Wir erklären, wo wir früher gelauscht hätten.

Wir messen, wo wir früher gedeutet hätten.

Wir reden von Achtsamkeit, aber fürchten die Stille, in der sie beginnt.

Dabei liegt gerade dort, in dieser stillen, rechten Hälfte des Geistes,

die Quelle dessen, was heilt:

die Fähigkeit, zu spüren, zu träumen, zu verknüpfen, zu erzählen.

Wenn wir in Hypnose sind, wenn wir lesen, wenn wir still werden,

spricht diese Seite wieder zu uns.

Nicht in Begriffen, sondern in Bildern.

Nicht in Argumenten, sondern in Atemzügen.

Und dort, wo beide Seiten – das Denken und das Fühlen, das Analysieren und das Erleben –

sich wieder begegnen,

beginnt Heilung.

Nicht als Fortschritt, sondern als Verbindung.

Nicht als Methode, sondern als Versöhnung.

Gegen die Spaltung der Heilung

An alle, die glauben, Heilung ließe sich planen, messen, instrumentalisieren

Erschöpfung ist kein Lifestyle.

Burnout ist kein Mindset, das man abstreifen kann.

Angst lässt sich nicht mit Affirmationen im Zaum halten,

und Depression verschwindet nicht, weil man sie in eine Checkliste presst.

Eine Gesellschaft, die Symptome optimiert, statt Wunden zu verstehen,

hat das Heilige, das Göttliche im Menschen verloren.

Wir therapieren, ohne zu trösten.

Wir analysieren, ohne zu fühlen.

Wir reden über Heilung, während wir vor der Stille fliehen.

Die Leere, die wir fürchten, ist keine Gefahr – sie ist Wahrheit.

In ihr ruht alles, was wir vergessen haben:

das Zarte, das Schwache, das Menschliche.

Heilung ist keine Flucht und auch keine bloße Technik.

Heilung ist Rückkehr zur Ganzheit –

eine verdrängte Einheit von Verstand und Herz, Emotion und Körper, Ratio und Seele.

Worte und Geschichten sind keine Werkzeuge.                                                         Sie sind lebendig – sie bewegen, formen, verbinden.                                            Wenn Sprache unser Inneres, unser Unterbewusstsein wirklich erreicht, reagiert der Körper indem die Symptome weniger werden und schließlich verschwinden.

Was wir brauchen, ist kein neues Tool, sondern eine neue Ehrlichkeit.

Kein schneller Trost, sondern ein langsameres Tempo, um tiefer zu gehen und zu kommen.

Worte, die nicht hohl klingen, sondern tragen.

Worte, die uns zurückführen –

dorthin, wo Heilung wieder leise ist.

Ich möchte nicht überreden sondern überzeugen,

sich wieder zu besinnen:

dass Depression, Angst, Panik und Erschöpfung keine Defekte sind,

sondern Signale einer überreizten, einseitig denkenden Kultur.

Dass Heilung nicht Optimierung, sondern Wiederverbindung ist.

Dass jedes Wort, das wir achtsam wählen,

eine kleine Brücke schlagen kann – zwischen Mensch und Mensch,

zwischen Bewusstsein und Gefühl, zwischen Sprache und Sinn.

In diesem Sinne:

Für mehr Tiefe.

Für Geschichten und Worte mit Seele.

Für Therapie, die wieder dem Göttlichen in uns dienen darf.

Dr med Laila Schmidt

Hypno-Novel-Therapie – Zwischen den Zeilen beginnt Heilung -
www.dr-laila-schmidt.com

hier noch ein Artikel über die persönliche Betreuung /Begleitung, welche so wichtig ist: 

https://cornelialichtner.de/menschliche-begleitung-statt-ki/#comment-121